Mafia Island – das Paradies vor der Küste Tansanias

Mafia? Das hört sich erst einmal nach einem Ort an, an den man nicht unbedingt reisen will. Mit der Mafia hat diese wunderschöne Insel – weit ab vom Massentourismus – aber so gar nichts zu tun. Umgeben von türkisblauem Wasser findest du weiße Sandstrände, Kokosnusspalmen, Mangroven und unberührte Natur. Mafias Unterwasserwelt ist mehr als beeindruckend! Im europäischen Winter tummeln sich hier Walhaie. Schildkröten legen das ganze Jahr über ihre Eier an den Stränden im Osten ab. Es ist ein absolutes Paradies. Aber um all das genießen zu können, muss man erst einmal seinen Weg nach Mafia finden. Das ist um einiges leichter gesagt als getan.


 

Die anreise

Für Hin- und Rückflug von Dar es Salaam zahlst du auf jeden Fall über 200 €. Das ist ein ganz schöner Batzen und das konnte ich mir definitiv nicht leisten. Also musste ich irgendwie anders dort hin kommen. Eine offizielle Fähre gibt es leider nicht mehr. Sie wurde wohl zu wenig genutzt. Also machte ich mich mit einem Freund aus Deutschland und einer Bekanntschaft aus Belgien mit dem Auto auf den Weg. Wir fuhren in den kleinen Ort Nyamisati, ca. 150 km südlich von Dar es Salaam. Dort fährt täglich ein kleines Boot ab, das von den Einheimischen genutzt und betrieben wird.

Es dauerte eine kleine Ewigkeit, bis wir endlich rausfanden, um wie viel Uhr das Boot abfährt. Wie schon in meinem Beitrag „Der Kisuaheli Crash Kurs“ erwähnt, wird die Suaheli-Zeit anders berechnet, als unsere Uhrzeit. Die Uhrzeitzählung beginnt erst um 6 Uhr morgens (bei Sonnenaufgang) und ist damit um sechs Stunden gegen die internationale Zeit verschoben. Nicht ein einziger Mensch in Nyamisati konnte Englisch sprechen. Uns wurde dauernd gesagt, dass um „saa kumi“ – also 10 Uhr – Abfahrt ist. In Suaheli-Zeitrechnung wäre das aber 4 Uhr nachts. Das wollten wir einfach nicht glauben. War aber so!

Wir kauften also unsere Tickets für 13.500 TSH (7 €) und suchten nach einem Ort, wo wir das Auto abstellen konnten und ein bisschen Schlaf kriegen würden. Wir fanden eine lutherische Mission und baten um Obdach. Die Leute waren unfassbar nett und gastfreundlich. Den Nachmittag verbrachten wir damit, mit den Frauen und Kindern Karten zu spielen.

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Um 2 Uhr nachts quälten wir uns aus den Betten und machten uns auf den Weg zur Anlegestelle. Ich fürchte mich eigentlich so gut wie nie, bin immer tough und mache jeden Scheiß mit. Während andere noch abwägen, was ihre Taten für Folgen haben könnten, bin ich schon mitten drin. Diesmal hab aber sogar ich mir eingeschissen! Dass man in Afrika nicht nachts alleine rumlaufen sollte weiß eigentlich jeder. Hier war keine Polizei und kein anderer Tourist weit und breit. Der Ort war verlassen und echt gruselig. Mit Taschenlampe und Messer bewaffnet sind wir losgestapft. Bei jedem Knistern dachten wir, dass gleich einer um die Ecke kommt, der uns absticht. SO EIN SCHWACHSINN! Natürlich ist uns nichts passiert! Allerdings muss es ein Bild für Götter gewesen sein, wie wir da durch die Straßen geschlichen sind.

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Sagenhafte drei einhalb Stunden hat es gedauert, bis wir endlich auf das Boot steigen konnten. Fast zwei Stunden lang wurden Kisten und Taschen aufgeladen. Mittendrin ist dann das Boot abgedriftet und die Planke, die als Steg diente, ins Wasser gefallen. Es war zum kaputt lachen! Der Großteil der Tansanier kann nicht schwimmen und so standen alle erst einmal total bedröppelt da und wussten weder ein noch aus. Keiner hat sich getraut, ins Wasser zu steigen, um die Planke zurück zu holen. Bei aller Liebe – ich dachte ich bin im Irrenhaus gelandet. Irgendwann gegen 5.30 Uhr ging es dann doch endlich los und wir krochen nach Mafia Island.

War auch kaum eng!

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30 km und vier einhalb Stunden später kamen wir auf Mafia Island an. Und ja, du hast dich weder verlesen, noch habe ich mich vertippt. Das Boot war SO langsam, Jesus wär schneller angekommen, wär er neben uns her gelaufen. Wir saßen die ganze Zeit auf dem Boden, alle Gliedmaßen waren eingeschlafen, die Klamotten waren feucht und voller Schlamm und es hat auch nicht gerade nach Rosen geduftet. Aber schon beim ersten Blick auf die Insel wussten wir, dass es das wert war.

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Der aufenthalt

Wir haben es uns mit der Wahl der Unterkunft dieses mal nicht so einfach gemacht. Willst du in eine Unterkunft an der Bucht von Chole, musst du eine Gebühr für den Eintritt in den Meerespark zahlen – ob du nun tauchen willst oder nicht. Die Kosten liegen derzeit (Stand: Juli 2015) bei 20 $ pro Tag. Das ist meiner Meinung nach ganz schön Wucher. Vor allem für Nicht-Taucher! Wir haben uns also auch andere Unterkünfte angeschaut, die waren aber bei weitem nicht so schön gelegen. Wir hatten schon die Strapazen der Bootsfahrt auf uns genommen und wollten nicht schon wieder rumknausern, also haben wir in den sauren Apfel gebissen und die Eintrittskosten bezahlt, um auf der schönen Seite der Insel sein zu dürfen.

Das Hostel, das wir uns aussuchten heißt Big Blu, ist gleichzeitig ein Tauch Centre und ein super schönes Resort. Die Manager, Jenny und Warren, sind die ersten auf der Insel, die die Backpacker-Nische bedienen. Sie haben geräumige Safari-Zelte aufgestellt, zwei Betten reingestellt und so eine bezahlbare Alternative zu den Luxus-Hotels hier geschaffen. Frühstück gibts auch noch dazu!

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Wir hatten eine super Zeit dort! Wenn du Party suchst, bist du hier falsch. Es ist absolut idyllisch und man kann so richtig die Seele baumeln lassen. Wenn du Taucher bist, oder es mal ausprobieren willst, ist das der perfekte Ort. Aber schon alleine das Schnorcheln lohnt sich! Warren ist mit uns dreien rausgefahren. Mein Kumpel war lediglich schnorcheln, hat aber sogar eine Wasserschildkröte gesehen. Das Riff ist bei Ebbe schon an der Wasseroberfläche bestens zu sehen. Für das Mädchen aus Belgien, dass noch mit uns unterwegs war, war es der erste Tauchgang. Warren hat den Discover Scuba Diving (DSD) Kurs mit ihr gemacht und ich, als zertifizierte Taucherin, konnte den beiden einfach hinterher schwimmen. In dem Meerespark gibts es rund 400 Fischarten und wunderschöne Korallenriffe. Für Taucher ein mega Spot!

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Die abreise

Dieses Mal war alles nur halb so schlimm. Ein kleiner Tipp vorab: Schlaf die letzte Nacht nicht innerhalb der Grenzen des Meeresparks. So sparst du dir die 20 $. Wir haben das Gebiet am späten Nachmittag verlassen und haben die Nacht im New Lizu Hotel in Kilindoni verbracht. Das Gästehaus ist zwar alles andere als schön, aber für die paar Stunden völlig ok. Es liegt direkt an der Hauptkreuzung und du kannst um 5 Uhr morgens einfach zu Fuß zur Anlegestelle laufen und das Boot zurück nach Nyamisati nehmen. Die Rückfahrt war viel entspannter. Es befanden sich fast nur Menschen an Bord und kaum Gepäck. Du hast also viel mehr Platz. Setz dich nur nicht direkt neben das Plumpsklo – war nicht die beste Wahl.

Wieder zurück in Nyamisati hatte ich nur noch Sorge, dass mein Auto verschwunden ist. Die Mission hatte aber Wort gehalten und Pumba stand immer noch an Ort und Stelle und wartete auf uns.

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