Wie kaufst du ein Auto in Tansania?

Die erste Frage, die sich wohl stellt, ist nicht, WIE kaufst du ein Auto in Tansania, sondern WARUM solltest du überhaupt ein Auto in Tansania kaufen? Du willst auf eigene Faust das Land erkunden? Keine geführte Reise mit schnöden Mitreisenden und einem super aufdringlichen Tourguide? Dann gibt es drei Möglichkeiten: öffentliche Verkehrsmittel (Bus und Zug), Mietwagen oder eigenes Auto. Damit kommen wir zu dem …


 

Warum?

Schon alleine an die Busse zu denken, jagt mir einen Schauer über den Rücken. Die Teile sehen aus, wie aus dem 2. Weltkrieg, die Stoßstange hängt halb runter und von Profil am Reifen hat wohl auch noch niemand was gehört. Ich habe viele Backpacker getroffen, die mit Bussen durch Tansania gereist sind und hab kaum von einer Fahrt gehört, die glatt verlaufen ist. Platte Reifen, Motorschäden und Ähnliches sind gang und gäbe. Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit sind ebenfalls Fremdwörter. Das schlimmste allerdings ist die Art und Weise, wie die Einheimischen hier fahren. Sind wir bei The Fast and The Furious? Anscheinend! Gefühlt sieht man alle 5 Meter einen umgekippten Bus am Straßenrand. Ganz ehrlich? Da hatte ich einfach keinen Bock drauf! Ich wollte unabhängig sein – und sicher!

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Zug fahren erscheint mir da schon etwas angenehmer. Die einzige einigermaßen zuverlässige Eisenbahnstrecke ist allerdings die TAZARA-Linie, die von Dar es Salaam gen Süden nach Sambia verkehrt. Ich selbst habe sie nie genutzt. Sophie, die auf ihrem Blog 100yearsofsummer.com über ihren Traum von einem selbstbestimmten Leben und ihre Erlebnisse in Ostafrika schreibt, hat dazu aber einen spannenden Artikel verfasst.

Das was einem als nächstes in den Sinn kommt, ist, sich einen Mietwagen zu holen. Ich machte mich also auf den bekannten Portalen auf die Suche nach etwas Passendem. Ein Geländewagen musste es sein, da die Straßen in Tansania oft unbefestigt sind. Vor allem in den Nationalparks kommt man mit einem Kia Picanto nicht weit. Mir hat es die Schuhe ausgezogen bei den Preisen. Die verlangen ernsthaft 167 € pro Tag? Und das für einen Wagen der unteren Mittelklasse? Da war ich raus! Ohne Geldregen oder Lottogewinn konnte ich mir das definitiv nicht leisten.

Also blieb nur noch eins: Ich kaufe mir ein Auto! Damit kommen wir zu dem …


 

WIE?

Zuerst einmal: der Fahrzeugbesitz in Tansania ist unverschämt billig! Es gibt, wie in den meisten afrikanischen Ländern, keinen TÜV. Du musst einfach zur Polizei gehen und dir einen Roadworthy Sticker kaufen. Die wollen dein Fahrzeug übrigens nicht einmal sehen. Es herrscht allerdings Versicherungspflicht, die mit einem weiteren Sticker in der Frontscheibe ausgewiesen wird. Dazu brauchst du auch keine Meldeadresse.

Aber wo findest du nun einen geeigneten Wagen? 

In Dar es Salaam gibt es unendlich viele Autohändler. Nimm dir etwas Zeit und klappere so viele wie möglich ab. Solltest du hier fündig werden, achte darauf, dass das Fahrzeug schon tansanische Papiere hat. Ist das nicht der Fall, lass lieber die Finger davon. Die Einfuhrgebühren sind schweinehoch und mit viel bürokratischem Mist verbunden.

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Die andere Möglichkeit ist, einen Wagen aus privater Hand zu kaufen. Dazu brauchst du aber entweder Kontakte vor Ort oder du hast Glück und triffst andere Reisende, die ihr Auto loswerden wollen. Manchmal hängen Zu-Verkaufen-Flyer in Hostels und Guesthouses. Mir hat mein Mitbewohner Iddy bei der Suche geholfen.

Zunächst hat er den Mechaniker seines Vertrauens angerufen, der dann für insgesamt 5 € bei allen Besichtigungen dabei war. So einen solltest du dir auch suchen, wenn du (wie ich) keine Ahnung von Autos hast. Du willst ja nicht, dass man dir eine Schrottkarre verkauft. Außerdem sind Mechaniker gut vernetzt. Der eine kennt einen, der einen kennt. Man kennt das ja! Ziemlich schnell trudelten Anrufe von Leuten ein, die ihr Fahrzeug verkaufen wollten. Hier ist es absolut von Vorteil, wenn jemand mit den Anbietern spricht, der Suaheli kann. Die meisten Tansanier denken immer noch wir baden in Milch und Honig. Sobald die also wissen, dass ein Europäer an dem Wagen interessiert ist, haben sie schon Dollar-Zeichen in den Augen. Lass dich nicht verarschen! Dank Iddy haben die Verkäufer alle ganz schön dumm geguckt, als sie die Suchende – mich – dann das erste mal sahen.

Hast du dir erstmal einige Autos angesehen hast du die Qual der Wahl. Der erste Wagen, den ich besichtigen durfte, war der absolute Reinfall. Ich hatte Iddy gesagt, dass ich so gut wie keine Ansprüche an das Auto hatte, nur müsse es ein 4×4 (4-wheel-drive) sein. Iddy zeigte mir daraufhin als erstes eine alte Mercedes Limousine. Als ich ihn darauf aufmerksam machte, dass das nicht der Typ Wagen ist, nach dem ich suche sagte er: „Aber der hat doch vier Reifen!“ Das war einfach zu süß! Nachdem ich ihm erklärt hatte, was ein 4×4 ist, hat er sich tatsächlich ein bisschen geschämt. Der Arme! Naja, Butter bei die Fische, nach einigen echt miesen Karren mit Löchern im Dach, Türen die nicht auf gingen etc. hab ich mein Baby dann doch irgendwann gefunden.

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Ein paar Fakten:

Sein Name ist Pumba und er ist 1996 geboren. Wieviele Kilometer er schon drauf hat, weiß kein Mensch, ist aber auch unwichtig. Suzuki Escudos waren früher einmal Militärfahrzeuge. Die halten so einiges aus. Tank- und Geschwindigkeitsanzeige haben damals nicht funktioniert, aber das lies sich leicht reparieren. Außerdem brauchten die elektrischen Fenster etwas Hilfe beim schließen. Ansonsten aber war er super in Schuss und versprach, ein treuer Gefährte zu werden.

Ich habe 4.2 Millionen TSH dafür bezahlt, was zu dem Zeitpunkt etwa 1.700 € entsprach. Das mag sich jetzt teuer anhören für solch einen Wagen. Wie vorher erwähnt, ist der Besitz eines Fahrzeugs billig, der Kaufpreis allerdings wegen des Einfuhrzolls immer relativ hoch. Im Nachhinein habe ich mir von vielen Leuten sagen lassen, dass ich da ein super Schnäppchen gemacht hätte.


 

Wichtig  ist:

Ein Auto zu kaufen geht leider nicht von heute auf morgen. Das braucht etwas Zeit. Deshalb verstehe ich gut, dass die meisten Backpacker auf öffentliche Verkehrsmittel zurück greifen. Das ist auch total ok! Ich kann nur jedem raten, der die Zeit und Muße hat, sich das mit dem Autokauf zu überlegen. Wir waren so viel unabhängiger und freier. Außerdem sind wir insgesamt sehr viel billiger weggekommen. Du sparst dir teuere Guides in den Nationalparks, Taxifahrten vom Busbahnhof und kannst abgelegenere, schönere und auch günstigere Unterkünfte anfahren.

 

3 Gedanken zu „Wie kaufst du ein Auto in Tansania?

  1. Sophie sagt:

    Hey liebe Mimi,
    super, dass du das Thema hier aufgreifst! Ich bin bisher immer mit dem Bus gereist, erst letzte Woche nach Kenia und zurück, und ich muss sagen: Während ich es am Anfang noch sehr aufregend fand, und mich die Pannen und Verspätungen kaum gestört haben, merke ich: Ich werde langsam ein wenig zu alt dafür 🙂 Finde Busfahren prinzipiell immer noch schön und habe auch erstaunlich viele gute Erfahrungen gemacht. Aber so ein Roadtrip ist schon schöner, und vor allem wenn man ein bei Nationalparks abklappern will, wird es richtig teuer ohne Auto!

    Was mich bisher immer davon abgehalten hat, ist einerseits mein Minimalismus 🙂 Und andererseits die Angst vor den hohen Benzinkosten. Denn auch hier in Dar wäre ein Auto nicht so schlecht, da ich oft alleine abends unterwegs bin. Wobei man hier auch wieder das Stau-Problem hat.

    Wie sieht deine Erfahrungen mit dem Benzinverbrauch? Und kam es hin und wieder mal zu Konflikten an den zahlreichen Roadblocks?

    Ganz liebe Grüße! Finde deinen Blog toll und freu mich mehr von dir zu lesen und sich auszutauschen 🙂

    Sophie

  2. Mimi sagt:

    Hallo Sophie,

    als ich noch alleine unterwegs war und kein Zeitlimit hatte, haben mich die Verspätungen etc. auch nicht gestört. Als dann allerdings klar war, dass ein Freund aus Deutschland mich besuchen kommt und wir gemeinsam rumreisen wollen, änderte sich das. Erstens hatte er natürlich nicht unbegrenzt Zeit und zweitens hatten wir zusammen das Geld, um uns ein eigenes Auto zu kaufen. Die Benzinkosten konnten wir uns dann auch teilen!

    Ein Geländewagen verbraucht natürlich ordentlich Benzin. Mit unserem 40 Liter Tank kamen wir so ca. 300 km. Bei 1 € / Liter ist das zu zweit aber ok. Eine ganze Weile waren wir sogar zu viert. Da war es dann super billig. Wenn du nur in Dar fährst, verbrauchst du wesentlich weniger.

    Ja, die gute alte Polizei. Wir wurden einfach dauernd aufgehalten. Fahr auf keinen Fall schneller als erlaubt! Und die 10 km/h Kulanz gelten hier auch nicht. Nur ein km/h schneller und du musst zahlen. Achte außerdem darauf, dass du ein Warndreieck und einen Feuerlöscher dabei hast und sei IMMER angeschnallt. Wenn du dann noch lieb und nett bist, solltest du keine Probleme haben. Und lass dir immer einen Beleg geben! Oft sind die Polizisten gar nicht dazu befugt Bußgelder zu kassieren und stecken es in die eigene Tasche. Die haben dann aber auch keinen offiziellen Beleg für dich. So kommst du aus der Sache raus. Es gilt wie immer: lass dich nicht verarschen!

    Was den Stau in Dar angeht! Super ätzend! Aber ab 20 Uhr sind die Straßen meist leer. Tagsüber muss man auf die Stoßzeiten achten, oder es eben aussitzen. Nimm dir was zum Lesen mit ins Auto!

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